Der Imperialismus –
Grundzüge des monopolistischen
Kapitalismus

2.2
Das Industriemonopol

Das Industriemonopol ist das grundlegende Herrschaftsverhältnis des monopolistischen Kapitalismus. Es beruht auf der Beherrschung der Produktion und des Marktes durch große Monopolunternehmen und Monopolvereinigungen, die aus der Konzentration der Produktion und des Marktes hervorgingen und hervorgehen sowie durch den Umschlag der freien Konkurrenz in das Monopol entstanden.

Lenin begann seine Analyse des Imperialismus mit der Untersuchung der Veränderungen, die sich in den ökonomischen Grundlagen des Kapitalismus vollzogen. „Das ungeheure Wachstum der Industrie und der auffallend rasche Prozeß der Konzentration der Produktion in immer größeren Betrieben ist eine der charakteristischen Besonderheiten des Kapitalismus.“17 Das Ergebnis dieses Konzentrationsprozesses zeigte sich darin, daß es im Jahre 1907 in Deutschland 586 Betriebe mit 1000 und mehr Arbeitern gab.“ In den USA war zur gleichen Zeit die Konzentration noch höher.

Hierbei handelt es sich zwar nicht um einzelne Großbetriebe, sondern um Komplexe von Betrieben und Konzernen, aber den Kern solcher Konzernkomplexe bilden immer einige Großbetriebe, in denen 20 000 bis 50 000 Arbeiter und Angestellte ausgebeutet werden.

Die Großbetriebe erzielen außerordentlich hohe Profite, weil sie Massen von Arbeitern, Angestellten, Angehörigen der technischen und wissenschaftlichen Intelligenz unter Anwendung modernster Techniken und Technologien ausbeuten. Durch die Konzentration von Produktionsmitteln und Arbeitskräften, die Anwendung wissenschaftlicher Organisationsmethoden, die planmäßige Arbeitsteilung und Kooperation erreichen sie eine höhere Arbeitsproduktivität und Arbeitsintensität als kleine und mittlere Betriebe.

Allein schon durch ihre Kapital- und Akkumulationskraft sind die Großbetriebe, zumeist Aktiengesellschaften, imstande, die modernste Technik, Technologie und Produktionsorganisation anzuwenden, eine großzügige Arbeitsteilung und Spezialisierung sowie Kooperation der Produktion zu verwirklichen. Aus diesem Grunde können sie billiger produzieren, ihre Konkurrenten aus dem Felde schlagen und durch die Beherrschung der Produktion auch den Markt kontrollieren.

Das gilt insbesondere für Produktionszweige, in denen sich der wissenschaftlich-technische Fortschritt in beschleunigtem und größtem Ausmaß durchsetzt. Hier standen früher die Eisen- und Stahlindustrie sowie der Bergbau, stehen heute die elektronische und chemische Industrie, die Bauwirtschaft und die Erzeugung von Elektroenergie, die Erdölgewinnung und -verarbeitung, der Automobil- und Flugzeugbau im Vordergrund. In diesen Produktionszweigen stieg das für die Eröffnung und die Entwicklung der Betriebe notwendige Kapitalminimum rasch an und führte zur Konzentration, der Produktion in wenigen Großbetrieben, so daß eine freie Konkurrenz von vornherein ausgeschlossen war.

Diese Entwicklung meint Lenin, wenn er anhand statistischer Daten der USA aus dem Jahre 1909 schreibt: „Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während andererseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird.“18

Der hohe Grad der Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte, die damit verbundene Konzentration der Produktion und des Kapitals und die Bildung von Aktiengesellschaften führen, wie Lenin bemerkt, von selbst dicht an das Monopol heran. Der Übergang zum Monopol vollzog sich spontan durch das Wirken der inneren ökonomischen Gesetze des Kapitalismus, die sich in der Konkurrenz als äußere Zwangsgesetze durchsetzen. Dieser Prozeß führte an das Monopol heran, da in einigen Produktionszweigen schon der Umfang der Produktion und des Kapitals, der durch die Entwicklung der Produktivkräfte notwendig ist, von vornherein kleinere und mittlere Kapitalisten ausschaltete und nur noch Großbetriebe konkurrenzfähig machte.

Nicht in jedem Industriezweig gibt es solche Großbetriebe. Die Konzentration der Produktion vollzog und vollzieht sich auch in einer Form, die nicht auf einen Produktionszweig beschränkt bleibt, sondern sich über mehrere Produktionszweige erstreckt. Lenin nennt diese Form der Konzentration der Produktion – in Anlehnung an Hilferding – „Kombination, d.h. die Vereinigung von Betrieben verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen“.19 Hier wird der Rohstoff über mehrere Stufen verarbeitet, wie bei der Gewinnung von Roheisen aus Erz, seiner Verarbeitung zu Stahl, dessen Weiterverarbeitung zu Walzwerkserzeugnissen. Solche Kombinationen sind weniger konjunkturanfällig, sichern eine stetigere Profitrate, können den Handel ausschalten, sind besser in der Lage, den technischen Fortschritt auszunutzen und dadurch Extraprofit zu machen als „reine“ Betriebe, und dadurch haben sie auch eine stärkere Stellung im Konkurrenzkampf. Auch diese Form der Konzentration und Zentralisation der Produktion und des Kapitals führte an das Monopol heran.

Wodurch erfolgte nun der Schritt von der durch die ökonomischen Gesetze des Kapitalismus vorangetriebenen Konzentration der Produktion zum Monopol? Er vollzog sich auf dem Wege des sich verschärfenden Konkurrenzkampfes, der an einem bestimmten Punkt zu Absprachen der großen Unternehmen und zur Unterordnung der kleineren unter das Diktat der großen führte. Unterstützt wurde diese Entwicklung in einigen Ländern durch die staatliche Schutzzollpolitik, wodurch die ausländische Konkurrenz ausgeschaltet wurde. Das traf besonders für Deutschland zu. Aber dadurch wurde der Umschlag der freien Konkurrenz in das Monopol nicht hervorgerufen, sondern nur beschleunigt. Auch in den Ländern des Freihandels, wie in England, setzte sich der Übergang der Konzentration der Produktion zum Monopol durch.

„Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.“20

Die Industriemonopole entstanden demnach durch das Wirken unterschiedlicher historischer und gesellschaftlicher Faktoren, bei einem hohen Entwicklungsstand der Produktivkräfte, auf verschiedenem Wege und zu verschiedenen Zeitpunkten. Aber immer entstanden sie auf gleicher Grundlage: der hohen Konzentration der Produktion und des Kapitals. Die Konzentration führte dazu, daß die Zahl der wichtigsten konkurrierenden Unternehmen nicht mehr als ein paar Dutzend ausmachte, die auf dem Höhepunkt ihres Konkurrenzkampfes eine Übereinkunft abschließen und ein Kartell bilden. Oder es bildete sich auf der Grundlage der Kombination ein die Produktion und den Markt beherrschender Konzern oder Trust heraus, der durch die Größe seiner Betriebe und ihrer vortrefflichen technischen Ausrüstung eine überlegene Stellung über seine Konkurrenten erreichte.

Im Konkurrenzkampf um die Erringung einer Monopolstellung in der Produktion und auf dem Markt durch Absprachen und Diktat wurden spezifische monopolkapitalistische Methoden des ökonomischen und außerökonomischen Zwangs angewendet. „Es ist lehrreich“, schreibt Lenin, „wenigstens einen flüchtigen Blick auf die Liste der Mittel des gegenwärtigen, modernen, zivilisierten Kampfes um die Organisation zu werfen, zu denen die Monopolverbände greifen.“21

Er weist dabei auf folgende hin: die Materialsperre, die Sperrung von Arbeitskräften durch Abmachungen zwischen Unternehmern und unternehmerhörigen Gewerkschaften, Zufuhr- und Absatzsperre, Preisunterbietungen, Kreditsperre, Verrufserklärung.22 Dann faßt er seine Darstellung zusammen: „Das Monopol bricht sich überall und mit jeglichen Mitteln Bahn, angefangen von „‚bescheidenen‘ Abstandszahlungen bis zur amerikanischen ,Anwendung‘ von Dynamit gegen den Konkurrenten.“23

Bei der Aufzählung dieser Mittel und Methoden des Konkurrenzkampfes, der in die Monopolbildung mündet, wird sichtbar, wie sich dadurch die kapitalistischen Produktionsverhältnisse verändern und zu Herrschaftsverhältnissen entwickeln. Unter den Bedingungen der freien Konkurrenz wirken die objektiven ökonomischen Gesetze als ökonomischer Zwang, dem nicht nur die Arbeiter, sondern auch die Kapitalisten unterliegen. Dieser ökonomische Zwang bleibt auch weiterhin ein Grundzug der kapitalistischen Produktionsverhältnisse. Aber durch die Errichtung der Monopole wird dieser die ökonomischen Beziehungen regulierende objektive Zwang durch die Anwendung von Methoden der ökonomischen und außerökonomischen Gewalt zugunsten der Monopole durchbrochen und werden Herrschaftsverhältnisse sowohl gegenüber der Arbeiterklasse als auch innerhalb der Kapitalistenklasse errichtet.

Die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse zu Herrschaftsverhältnissen äußert sich in der Entwicklung der freien Konkurrenz zur monopolistischen Konkurrenz. Dieser durch das Wirken der ökonomischen Gesetze bedingte Entwicklungsprozeß zeigt die Haltlosigkeit der rechts- und „links“opportunistischen Behauptungen, Lenin habe die Entstehung der Monopole und damit den Imperialismus nicht aus der Wirkung der ökonomischen Gesetze, sondern aus der Anwendung von Gewalt erklärt. Der Umschlag der freien Konkurrenz in das Monopol ist kein subjektiver Akt. Die Veränderung des Charakters der Konkurrenz ist das gesetzmäßige Ergebnis der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, insbesondere der Eigentumsverhältnisse. Die Entstehung des monopolkapitalistischen Eigentums an den Produktionsmitteln, die mit der Entwicklung der Produktivkräfte verbundene Erhöhung der organischen Zusammensetzung des Kapitals und der daraus hervorgehende Fall der Profitrate, das heißt die Verschlechterung der Verwertungsbedingungen des Kapitals, sowie die Aussicht auf höchsten Profit durch die Beherrschung der Produktion und des Marktes führen zur Veränderung der Methoden des Konkurrenzkampfes und zur Bildung von Monopolen.

Es war demzufolge primär die Veränderung der kapitalistischen Produktions- und Eigentumsverhältnisse, die das Umschlagen der freien Konkurrenz in das Monopol bewirkte. Daher liegt der monopolistischen Beherrschung des Marktes die monopolistische Beherrschung der Produktion zugrunde. Das Industriemonopol ist eine Form der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, die auf einer bestimmten Entwicklungsstufe der Produktivkräfte durch die Konzentration der Produktion und des Kapitals und die Verschärfung des Konkurrenzkampfes entstanden ist. Es verkörpert die Beherrschung von Produktion und Markt durch eine Gruppe kapitalistischer Großunternehmen oder übermächtiger Einzelunternehmen und realisiert sich in der Gewinnung und Aneignung von Monopolprofit, dessen Hauptquelle die Mehrarbeit der ausgebeuteten Arbeiter, Angestellten und Angehörigen der technischen und wissenschaftlichen Intelligenz ist.

Der Übergang von der freien Konkurrenz zum Monopol vollzieht sich zwangsläufig, mit objektiver Notwendigkeit. Die freie Konkurrenz entspringt, wie Marx feststellt, dem Wesen der kapitalistischen Warenproduktion, die auf der gesellschaftlichen Arbeitsteilung und dem kapitalistischen Privateigentum an den Produktionsmitteln beruht. Unter diesen Bedingungen können sich die objektiven ökonomischen Gesetze nur spontan, „hinter dem Rücken der Produzenten“ (Marx) auf dem Wege der Konkurrenz durchsetzen. „Begrifflich ist die Konkurrenz nichts als die innre Natur des Kapitals, seine wesentliche Bestimmung, erscheinend und realisiert als Wechselwirkung der vielen Kapitalien aufeinander, die innre Tendenz als äußerliche Notwendigkeit.“24

Die freie Konkurrenz ist im vormonopolistischen Kapitalismus die herrschende Form der Konkurrenz.

Die freie Konkurrenz verwandelt sich in die monopolistische Konkurrenz, da durch das Monopol die Bedingungen des Konkurrenzkampfes verändert werden. Erstens stehen sich in diesem Kampf nicht mehr nur private Einzelkapitalisten gegenüber, sondern Monopolkapitalisten, insbesondere monopolistische Kapitalgesellschaften. Zweitens ist die Konkurrenz in dem Sinne nicht mehr frei, daß nicht mehr allen Kapitalisten die modernen Produktivkräfte frei zugänglich sind und die Kapitale nicht mehr in beliebige Produktionszweige zur höchstmöglichen Verwertung wandern können. Ein bedeutender Teil der entwickelten Produktivkräfte sowie bestimmte Produktionszweige sind monopolisiert, und die Monopole können die Vorteile dieser Vorherrschaft für sich im Konkurrenzkampf einsetzen. „Wir haben es nicht mehr mit dem Konkurrenzkampf kleiner und großer, technisch rückständiger und technisch fortgeschrittener Betriebe zutun. Durch die Monopolinhaber werden alle diejenigen abgewürgt, die sich dem Monopol, seinem Druck, seiner Willkür nicht unterwerfen.“25

Unter den Bedingungen des monopolistischen Kapitalismus ist die monopolistische Konkurrenz die herrschende Form der Konkurrenz. Das gilt vor allem für die entwickelten imperialistischen Länder, sowohl für ihre inneren als auch für ihre internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Das gilt auch für die Beziehungen zwischen den imperialistischen Ländern und den Kolonien und den Entwicklungsländern, obwohl bei letzteren, soweit sie den kapitalistischen Weg oder auch den nichtkapitalistischen Weg gehen, die sich entwickelnden inneren Produktionsverhältnisse für die Form des Konkurrenzkampfes bestimmend sind.

Im monopolistischen Kapitalismus besteht die Konkurrenz in dreifacher Form:

  1. als Konkurrenz innerhalb der Monopole und zwischen den Monopolen;
  2. als Konkurrenz zwischen den Monopolen und den nichtmonopolisierten Unternehmen;
  3. als Konkurrenz der nichtmonopolisierten Unternehmen untereinander.

Die Konkurrenz innerhalb der Monopole vollzieht sich, je nach ihrem Entwicklungsstand, um die Höhe der Preise, den Anteil am Absatzmarkt, den Anteil an den Produktionsquoten. Der Kampf der großen Monopole gegeneinander geht um die Vormachtstellung. Außerdem richtet sich der Kampf der Monopole gegen die sogenannten Außenseiter, die ihnen zum Beispiel durch Senkung der Preise und Einführung neuer Produktionsmethoden Konkurrenz machen.

Der monopolistische Konkurrenzkampf hat nicht nur die Form der Preiskonkurrenz, sondern auch zahlreiche andere ökonomische und außerökonomische Formen, die sich in einem Wechselverhältnis von Konkurrenz und Monopol entwickeln. So hängt zum Beispiel der Anteil am monopolistisch aufgeteilten Absatzmarkt von der Größe des Kapitals und der Produktion der dem Monopol angeschlossenen Betriebe ab. Der Konkurrenzkampf vollzieht sich dann in der Form, daß die Akkumulation erhöht und die Produktion ausgedehnt wird. Dieser Kampf mündet in eine Neuaufteilung des Absatzgebietes oder in die monopolistische Festlegung der Produktionsquoten.

Eine andere Form des Konkurrenzkampfes ist der Kampf um den Aufkauf von Patenten und von Rohstoffquellen, nicht, um sie auszunutzen, sondern um sie den Konkurrenten zu entziehen. Der Konkurrenzkampf wird auch auf der Börse geführt, um sich den Konkurrenten durch den Aufkauf seiner Aktien unterzuordnen. Dieser Kampf wird aber auch mit Werkspionage, Sabotage und anderen nichtökonomischen Mitteln und Methoden betrieben.

Konkurrenz und Monopol entwickeln sich demzufolge in einem Widerspruch, der den Monopolisierungsprozeß weiter vorantreibt und zugleich den Konkurrenzkampf auf höherer Stufe entwickelt.

Die monopolistische Konkurrenz wird auch durch den kapitalistischen Staat beeinflußt. Das geschah und geschieht durch die schon erwähnte Schutzzollpolitik, aber auch durch die staatliche Exportförderung. Hierbei erhalten die Unternehmen, die für den Export produzieren, Steuerermäßigungen oder direkte staatliche Subventionen. Die Staatsaufträge, insbesondere die Rüstungsaufträge, sind ein weiteres Mittel der Beeinflussung der Konkurrenz durch den Staat. Mit dem Übergang des monopolistischen Kapitalismus in den staatsmonopolistischen Kapitalismus wurde ein ganzes System der staatlichen Einwirkung auf die Konkurrenz entwickelt. Sie erfolgte mit Hilfe der Finanz- und Steuerpolitik, der staatlichen Investitionspolitik, der Subventionierung der Forschung und Entwicklung und reicht bis zur Zwangskartellierung. Auch die staatliche und staatsmonopolistische Wirtschafts-, Finanz- und Steuerpolitik bewegt sich innerhalb des Widerspruchs von Konkurrenz und Monopol.

Die monopolistische Konkurrenz wirkt aber auch auf den kapitalistischen Staat und seine Wirtschafts-, Finanz- und Steuerpolitik. Angefangen mit der sogenannten Lobby, das heißt der Einflußnahme von Vertretern der Monopole auf die Entscheidung der Abgeordneten der Parlamente durch Bestechung der verschiedensten Art, über Eingaben und Gesetzvorlagen der Unternehmerverbände bis zur direkten Entsendung von Monopolvertretern in die Parlamente, Parlamentsausschüsse und Regierungen und umgekehrt durch die Aufnahme von Parlamentariern, Staatsbeamten und Regierungsmitgliedern in die Leitungen der Monopole führen die konkurrierenden Monopole den Kampf um den Einfluß auf die Entscheidungen der Parlamente, der Regierungen und des Staatsapparates über einzelne Großaufträge oder über die Wirtschafts-, Finanz-, Steuer- und Sozialpolitik insgesamt.

Der Konkurrenzkampf zwischen den Monopolen und den „Außenseitern“ hat gewöhnlich zwei Ausgangspunkte. Die „Außenseiter“ sind entweder selbst Monopolunternehmen, die durch Unterbietung der von den Monopolverbänden festgesetzten Preise ihre Position verstärken wollen, um sich auf einem bestimmten Höhepunkt des Kampfes unter günstigen Bedingungen anzuschließen. Oder es sind Unternehmen, die die Auseinandersetzung mit den Monopolunternehmen mit dem Ziel führen, sich von ihnen aufkaufen zu lassen.

Der Konkurrenzkampf zwischen den Monopolen und den nichtmonopolisierten Unternehmen ist ein Kampf auf Leben und Tod, der gewöhnlich mit der Vernichtung oder Angliederung der nichtmonopolisierten Unternehmen oder Betriebe an die Monopolunternehmen endet.

Lenin analysierte diesen Prozeß der Entfaltung des monopolistischen Konkurrenzkampfes und des Widerspruchs zwischen Monopol und Konkurrenz Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Seit dieser Zeit, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg, hat dieser Prozeß ungeheure Dimensionen angenommen. Die daraus hervorgehende Konzentration und insbesondere Zentralisation der Produktion und des Kapitals beschränkt sich nicht auf die Vernichtung und Angliederung von nichtmonopolisierten Unternehmen und Betrieben an die großen Monopole. Der monopolistische Konkurrenzkampf führt heute zur Vereinigung von monopolistischen Giganten durch Fusionierung, wie das zwischen den beiden Weltkriegen mit den drei I. G. Farben-Gesellschaften Badische Anilin- & Soda-Fabrik AG (BASF), Farbwerke Hoechst AG und Farbenfabriken Bayer AG, mit der Bildung der Vereinigten Stahlwerke AG und nach dem Zweiten Weltkrieg mit AEG und Telefunken, Mannesmann und Thyssen sowie Krupp und Hoesch in der BRD geschah.

Die Konkurrenz der nichtmonopolisierten Unternehmen und Betriebe untereinander trägt noch gewisse Züge der freien Konkurrenz. Allerdings wird dieser Konkurrenzkampf wesentlich durch die Vorherrschaft der Monopole, insbesondere durch die Monopolpreise, beeinflußt. Der Konkurrenzkampf der nichtmonopolisierten Unternehmen spielt sich innerhalb einzelner Produktionszweige um den Absatz der Waren ab, in dessen Ergebnis sich in bestimmtem Maße eine Durchschnittsprofitrate des Zweiges herausbilden kann. Sobald jedoch die nichtmonopolisierten Unternehmen und Betriebe Zulieferer von Monopolbetrieben sind oder sich innerhalb des Produktionszweiges Monopolunternehmen bilden, wird die Herausbildung einer Durchschnittsprofitrate gehemmt oder überhaupt verhindert.26

In den Perioden des Aufschwungs und der Hochkonjunktur können die noch zahlreich bestehenden nichtmonopolisierten Unternehmen im Schatten der Monopole existieren und am wissenschaftlich-technischen Fortschritt durch Spezialisierung ihrer Produktion teilnehmen. In den Perioden der Krise und der Depression verschärft sich der Konkurrenzkampf untereinander und der Monopole gegen sie, so daß zahlreiche Unternehmen und Betriebe ruiniert werden.

Aber auch hierbei zeichnen sich nach dem Zweiten Weltkrieg neue Tendenzen ab. Die rasche Entwicklung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts führte dazu, daß die monopolistischen Großunternehmen nicht in jedem Fall an einer Vernichtung der nichtmonopolisierten Unternehmen und Betriebe interessiert waren, sondern auch an deren Fortbestand als Zulieferbetriebe mit einer spezialisierten, der Produktion des Großunternehmens dienenden Teilproduktion. Die Großbetriebe sparen dabei fixes Kapital und wälzen das Risiko, das mit dem durch den wissenschaftlich-technischen Fortschritt beschleunigten moralischen Verschleiß der Produkte und Produktionsanlagen verbunden ist, auf die spezialisierten Produzenten ab.

Die Konzentration der Produktion hat in diesem Falle zwar die Form einer Dezentralisation, sie ist aber in Wirklichkeit eine Form der Arbeitsteilung, die die Produktion der kleinen und Mittelbetriebe unmittelbar an die Produktion des Großbetriebes bindet. Wir haben es hier mit einer Form monopolistischer Kooperation zu tun, die den Großbetrieben hohe Profite einbringt. Das ist der Fall bei Spezialisierung der Produktion, die zu einer hohen Arbeitsproduktivität führt und den Großbetrieben eine Verbilligung der Teilprodukte einbringt, wie auch durch die Monopolstellung der Großbetriebe, durch die sie den Zulieferern die Preise diktieren und zeitweilig unter den Wert der Waren drücken können.

Der Widerspruch zwischen Konkurrenz und Monopol ist eine Bewegungsform des Grundwiderspruchs des Kapitalismus. Er treibt auch unter den Bedingungen des monopolistischen Kapitalismus die Entwicklung der Produktivkräfte voran und spitzt den Widerspruch zwischen ihnen und den kapitalistischen Produktionsverhältnissen zu. Die monopolistische Konkurrenz treibt die Vergesellschaftung der Produktion voran, ohne die private Aneignung aufzuheben, reduziert sie aber auf immer weniger mächtige Monopolkapitalisten. „In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine … neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.“27

Den objektiven Prozeß der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse zu monopolkapitalistischen Herrschaftsverhältnissen leugnen, bestreiten oder vertuschen die bürgerlichen Ökonomen. Die einen behaupten, daß der „Wettbewerb“ – eine verharmlosende Umschreibung des Begriffs „Konkurrenz“ – nach wie vor das bestimmende Element der „Marktwirtschaft“ – eine Umschreibung des Begriffs „Kapitalismus“ – sei. Dabei werfen sie die freie Konkurrenz und die monopolistische Konkurrenz in einen Topf. Andere geben zu, daß sich ein bedeutender Konzentrationsprozeß der Produktion und des Kapitals vollzieht. Sie führen diesen Prozeß ausschließlich auf die Entwicklung der Produktivkräfte zurück, sprechen von einer „Verbundwirtschaft“ und unterschlagen, daß es sich um eine Veränderung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse und um die Bildung von Monopolen handelt. Eine weitere Gruppe bürgerlicher Ökonomen vertritt die Auffassung, daß das Monopol eine Ausnahmeerscheinung der kapitalistischen Wirtschaft und das Ergebnis subjektiver Verstöße gegen die Konkurrenz sei.

Einer der bürgerlichen Apologeten des monopolistischen Kapitalismus, der amerikanische Ökonom Paul A. Samuelson, bezeichnet das Auftreten von „Monopolelementen“ als eine „ernste Abweichung vom Bild des vollständigen Wettbewerbs“. Er meint: „Monopolistisches Verhalten kann … zu falscher Preisfestsetzung, fehlerhafter und unwirtschaftlicher Verteilung der vorhandenen Produktionsmittel und zu Monopolgewinnen führen.“28

Nach Samuelson ist das Monopol also keine objektive Erscheinung der ökonomischen Entwicklung des Kapitalismus, sondern ein „Übel“, das durch zu hoch festgesetzte Preise hervorgerufen wird. „Ein zu hoher Preis, Verschwendung und Falschverteilung von wirtschaftlichen Produktionsmitteln sowie Monopolgewinne sind stets vom Übel, gleichgültig, wie sie entstanden und wie technisch legal sie erscheinen mögen.“29

Ähnlich äußert sich ein anderer amerikanischer Ökonom, E. H. Chamberlin: „Monopol bedeutet gewöhnlich Kontrolle über das Angebot und gleichzeitig über den Preis.“30

Andere Ökonomen bestreiten die Möglichkeit einer Vorherrschaft von Monopolen, die sie „reine Monopole“ nennen, und damit bestreiten sie die Existenz des monopolistischen Kapitalismus; sie sprechen von „Oligopolen“. Darunter verstehen sie eine Marktsituation, bei der wenige Anbieter den Markt beliefern oder wenige Nachfrager das Angebot kaufen.

Derartige apologetische Auffassungen stützen sich auf bestimmte äußere Erscheinungen des monopolistischen Kapitalismus. Das Industriemonopol beruht tatsächlich auch auf der Beherrschung des Marktes und diktiert als Verkäufer monopolistisch hohe oder als Käufer monopolistisch niedrige Preise. Es ist in der kapitalistischen Wirklichkeit auch selten, daß nur ein Großbetrieb Produktion und Markt eines Zweiges beherrscht. Gewöhnlich sind es, wie Lenin nachweist, einige wenige, „nicht mehr als ein paar Dutzend“, die durch Absprachen und durch ökonomische und außerökonomische Gewalt über die Masse der übrigen Produzenten Produktion und Markt monopolistisch beherrschen.

Die Monopolprofite entstehen nicht in erster Linie dadurch, daß die Industriemonopole die Preise erhöhen – das tun sie auch, wie noch nachgewiesen wird –, sondern dadurch, daß sie mit der Produktion den technischen Fortschritt monopolisieren. „Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion.

Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet.“31

Die Vergesellschaftung der Produktion und des wissenschaftlich-technischen Fortschritts führt zu einer hohen Steigerung der Arbeitsproduktivität und deren Monopolisierung zu gewaltigen Extraprofiten.

Es handelt sich, wie man sieht, bei dieser Entwicklung der Produktivkräfte und der kapitalistischen Produktionsverhältnisse nicht um einen „Verstoß“ gegen die „reine Konkurrenz“, sondern um objektive Ergebnisse eines Entwicklungsprozesses der Konkurrenz selbst. Die Konkurrenz ist nicht aufgehoben, sondern existiert in der weit schärferen Form der monopolistischen Konkurrenz weiter.

Das Industriemonopol ist demnach keine Marktform, sondern, wie festgestellt, eine dem Entwicklungsstand der Produktivkräfte angepaßte Form der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, die auf einem hohen Grad der Vergesellschaftung der Produktion beruht. Dieser hohe Grad der Vergesellschaftung der Produktion drängt schon über die kapitalistischen Produktionsverhältnisse hinaus. Er führt dazu, daß die bisherige, auf die einzelnen kapitalistischen Betriebe beschränkte Planung und Organisation der Produktion bedeutend ausgedehnt wird und Komplexe von Betrieben umfaßt, wobei die Anarchie der gesellschaftlichen Produktion noch verstärkt wird. Das ist jene Entwicklungsstufe des Kapitalismus, von der Engels schreibt: „In den Trusts schlägt die freie Konkurrenz um ins Monopol, kapituliert die planlose Produktion der kapitalistischen Gesellschaft vor der planmäßigen Produktion der hereinbrechenden sozialistischen Gesellschaft. Allerdings zunächst noch zu Nutz und Frommen der Kapitalisten.“32